150 Jahre Soldatenkameradschaft Stadtsteinach

Autor: Klaus Rössner

Krieg in der Ukraine, Hunger,Tod und Leid im Gaza-Streifen, Bombardierungen im Nahen Osten – und ein russischer Präsident, der mit dem Atomkrieg droht: Die Welt scheint aus den Fugen geraten. Passt ein Fest zu Ehren einer Soldatenkameradschaft in ein solches Szenario? Passt gut. Denn die Soldatenkameradschaften verstehen sich nicht als Sammelbecken für Kriegsverherrlicher oder martialische Machos, sondern als Mahner für den Frieden.

Das wurde am Sonntag deutlich, als die Stadtsteinacher Soldatenkameradschaft ihren 150. Geburtstag feierte. Die Feier nahm am Vormittag seinen Lauf, als Pfarrvikar Sebastian Masella und dessen evangelische Amtsgenossin Sigrun Wagner einen Festgottesdienst zelebrierten. In den Fürbitten wurde der Wunsch nach Ordnung und Frieden deutlich, die Feier im Vereinsheim der Schützen umrahmte die Schola der Pfarrei St. Michael. Salutschüsse begleiteten die Totenehrung. Im Anschluss daran spielte Peter Birk Unterhaltungsmusik.

Die wichtigsten Stationen in der Vereinsgeschichte beleuchtete Vorsitzender Andre Dütsch. Exakt vor 150 Jahren – am 20. Juli 1875 – wurde der „Veteranen, Krieger- und Kampfgenossenverein“ aus der Taufe gehoben. Schon sieben Jahre später wählte man eine weniger martialische Bezeichnung: Veteranen und Kriegerverein Stadtsteinach. „Schließlich ging es nicht um Säbelrasseln, sondern und Traditionspflege und Geselligkeit“, erläuterte der Vorsitzende.

Eine Zäsur bedeutete der Erste Weltkrieg. Das Vereinsleben kam zum Stillstand. In den 20er Jahren nahm es wieder Fahrt auf. Um die Erinnerung an die Gefallenen wach zu halten, gründete sich ein Kriegerdenkmal-Komitee. 1925 erwarb man die heute noch in Gebrauch befindliche Salut-Kanone, die in einer selbst errichteten Unterstell-Halle am Friedhof Platz fand.

Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs versteckten die Mitglieder das Geschütz samt der wertvollen Vereinsfahne. „Sonst wären die Sachen vernichtet worden“, erklärte Andre Dütsch.

Es sollte bis zum Jahr 1957 dauern, dass sich die Vereinigung wieder neu formierte. Am 2. November fanden sich 61 Männer zur Wiedergründung. Erster Vorsitzender war Hans Hümmer, der in späteren Jahren als stellvertretender Bürgermeister in Stadtsteinach wirkte. In der Folgezeit blühte der Verein auf: Man schloss Freundschaften und Patenschaften mit anderen Zusammenschlüssen wie Zaubach, Tannenwirtshaus, Burggrub, Wallenfels und Guttenberg.

1975 krönten die Mitglieder den 100. Geburtstag mit einem großen Fest, das als Höhepunkt sogar in einem Brillant-Feuerwerk gipfelte. Unter dem Vorsitzenden Heiner Schramm benannte man sich um in Soldatenkameradschaft Stadtsteinach von 1875.

Nachfolger Josef Hildner engagierte sich stark bei der Werbung: Die Schallmauer von 200 Mitgliedern wurde durchbrochen. Zum 115-jährigen Bestehen im Jahr 1990 erhielt die Gruppierung eine neue Fahne, ein Jahr später übernahm Robert Dütsch die Führung.

Zu dieser Zeit pflegte man schon eine Patenschaft mit den „Bayreuther Jägern“, der fünften Kompanie des Panzergrenadierbataillons 102. Öffentliche Gelöbnisse in Stadtsteinach, gegenseitige Besuche, Freundschaftsschießen am Oschenberg und weitere gemeinsame Aktivitäten erfüllten die Verbindung mit reichem Leben. Die Umstrukturierung der Bundeswehr setzte dieser Verbindung ein jähes Ende.

Nach 18-Jahren als Vorsitzender legte Robert Dütsch sein Amt in jüngere Hände. Er hatte diese Position am längsten inne. Zum Nachfolger wählten die Aktiven den Sohn des ehemaligen Vorsitzenden, Andre Dütsch.

Bürgermeister Roland Wolfrum führte aus, der Einsatz für Frieden und Freiheit sei lohnend. „Es ist das Ziel, nicht wieder in den Krieg zu ziehen“, so der Schirmherr, der dem Verein auch als Mitglied angehört. Der Redner unterstrich, dass sich die Soldatenkameradschaft aktiv für die Bewahrung des Friedens einsetzt. „Ein Soldat betet als Erster für den Frieden, den im Krieg muss er als Erster leiden.“ Der Zweite Weltkrieg habe Millionen von Opfern gefordert, unter denen nicht nur Soldaten, sondern Andersdenkende waren oder Vertreter ethnischer Minderheiten wie Juden.

Kritisch setzte sich der Festredner mit dem Zeitgeist auseinander. Es sei in Mode gekommen, den Staat zu anzuprangern, doch der sichere Freiheit, Frieden und Wohlstand. Er appellierte an alle, diese Güter zu schätzen und zu bewahren. „Man kann auch wieder alles verspielen.“

Stellvertretender Landrat Jörg Kunstmann knöpfte an die Worte seines Vorredners an. In sehr persönlichen Worten wies er auf die Gräuel des Krieges hin: “Als Kind habe ich mich immer wieder gefragt, warum mein Opa keine Zehen hat. Sie waren ihm in Russland abgefroren. Aus dem Krieg kehrte er als Wrack zurück. Er war fast blind.“ Kunstmann dankte dem Verein für dessen Einstehen für die Werte der Demokratie – auch unter schwierigsten Bedingungen.

Deutschland sehe sich gerade in diesen Tagen großen Bedrohungen gegenüber, sagte Kunstmann Blick auf Putins Politik:“Wir müssen verteidigungsfähig sein.“

Dem Thema der Verteidigungstüchtigkeit widmete sich auch der stellvertretende Bezirksvorsitzende und Kulmbacher Kreisvorsitzende des BKV, Georg Spindler. Die Bundeswehr habe man „totgespart“, viele Kasernen seien aufgelassen worden. Erst langsam begreife man den Ernst der Lage.

Geschenke überreichten die Vertreter der Patenvereine, Herrmann Dörfler (SK Tannenwirtshaus),  Markus Hempfling (Zaubach) und Günter Stöcker (Wallenfels).

Abschließend wurden verdiente Mitglieder geehrt. Die höchsten Auszeichnungen gingen an Willi Ultsch (BKV-Verdienstkreuz in Silber) und Andre Dütsch (Pendant in Bronze).

Das neu geschaffene Veteranenabzeichen erhielten all an alle jene, die aktiv Dienst geleistet hatten in der Bundeswehr. Zudem wurde die Treue all jener mit Abzeichen und Urkunden belohnt, die seit Jahrzehnten der Soldatenkameradschaft angehören.