Chronik

Gruppenfoto anlässlich des 150-Jährigen Jubiläums im Jahr 2025

Ein Verein im Wandel der Zeit

Die Chronik der Soldatenkameradschaft 1875 Stadtsteinach


„Tradition ist das Ruhekissen der Urteilskraft.“ Was Sigmund Graff als Sinnspruch formulierte, hat in uneingeschränkter Weise Gültigkeit für die Soldatenkameradschaft Stadtsteinach. Mit seiner 150-jährigen Geschichte kann der Verein auf eine lange Tradition zurückblicken, die gekennzeichnet wird von Freud und Leid, von schönen wie schlechten Zeiten, vom Aufblühen und Verwelken. Wie kein anderer Verein der Stadt Stadtsteinach hat die Soldatenkameradschaft das Geschehen mehrerer Kriege tragen müssen. Dabei stand damals die Euphorie Pate für das neue Kind Stadtsteinachs.
Die Gründung der Soldatenkameradschaft erfolgte am 5. Januar 1875 anlässlich des 5. Jahrestages des Sieges über Frankreich. Damals hatten die deutschen Truppen im Krieg von 1870/1871 über den einstigen Erbfeind Frankreich den Sieg errungen. Napoleon III. wurde gefangen genommen, Paris kapitulierte schließlich im Januar 1871. Unter dem noch jungen Eindruck dieser Ereignisse schlossen sich Männer aus Stadtsteinach zu einem „Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossenverein“ zusammen. Aufnahmegesuche vom Gründungstag tragen den Namen des ersten Vorsitzenden Blumenberg. Die wenigen Unterlagen aus jener Zeit existieren – sie hat der 1999 verstorbene Anton Nagel im Heimatmuseum aufbewahrt. 1880 kaufte der Verein eine Fahne. Ob sie offiziell geweiht wurde, ist heute nicht mehr zweifelsfrei zu rekonstruieren. Zwei Jahre später gab sich der Verein eine neue Satzung, in der Rechte und Pflichten der Mitglieder niedergelegt sind.

Keine Kampfgenossen mehr


Ab 1882 verzichteten die Mitglieder auf einen Teil des Vereinstitels. Der martialische Bestandteil „Kampfgenossen“ wurde gestrichen. Ohnehin ging es den damaligen Aktiven nicht um Säbelrasseln, sondern um Traditionspflege und Geselligkeit. Die damalige Entwicklung des Vereins ist wohl ohne besondere Höhen und Tiefen verlaufen. Bis zum Ersten Weltkrieg sind kaum Dokumente oder allgemeine Unterlagen über die Soldatenkameradschaft aufzufinden.
Der Chronist vermerkte aber, dass eine Delegation des Vereins bei der Grundsteinlegung der zuvor abgebrochenen Pfarrkirche im Jahr 1904 und ein Jahr darauf bei der Einweihung des Gotteshauses zugegen war. Belegt ist auch ein anderes historisches Datum: Als Prinzregent Luitpold 1911 seinen 90. Geburtstag feierte, beteiligte man sich an der Pflanzung einer Linde auf dem Marktplatz. Der Baum wurde 1967 durch eine Blautanne ersetzt. Der Erste Weltkrieg bedeutete eine Zäsur im Vereinsleben, das in den Wirren zum Stillstand kam.
Aus den 1920er Jahren ist überliefert, dass sich ein Kriegerdenkmals-Komitee gründete, um die Erinnerung an die Gefallenen wach zu halten. Max Hebentanz, der Vorsitzende, gab dem Verein neue Impulse. Um 1925 kaufte man eine Salutkanone, die in einer Unterstellhalle neben dem Leichenhaus Platz fand. Die kleine Halle hatten die Mitglieder in Eigenleistung errichtet.
1934 wurde der Verein dem nationalsozialistischen Kyffhäuserbund angegliedert. Als Folge daraus musste die Abordnung bei offiziellen Anlässen neben ihrer eigenen Fahne auch die Kyffhäuser-Flagge mitführen. Der Kyffhäuserbund wurde schließlich in den Reichskriegerbund umgewandelt. 1945: Das Reich lag in Scherben, nun hatten die Alliierten das Wort. Sie verboten die Aktivitäten und verbrannten die Kyffhäuser-Flagge auf dem Marktplatz.
Es dauerte bis ins Jahr 1957, bis die Soldatenkameradschaft mit neuem Leben erfüllt werden konnte. Teilnehmer der beiden Weltkriege gaben im Saal des „Deutschen Hauses“ der Familie Mattes am 2. November den Startschuss für einen Neubeginn. Die 61 anwesenden Herrschaften wählten Hans Hümmer zum Vorsitzenden. Bei der Versammlung stellte sich heraus, dass sowohl die alte Fahne als auch die Salut-Kanone die Kriegswirren überstanden hatte. In den folgenden Jahren wuchs und gedieh der Verein. Man beteiligte sich an den alljährlichen Kriegerwallfahrten und unterhielt enge Kontakte zu den bachbarten Vereien. Zum 90-Jährigen Vereinsjubiläumim Jahr 1965 strömten viele Gäste in die Stadt.

Der hunderstste Geburtstag

1975 konnten die Mitglieder den hundertsten Geburtstag ihres Zusammenschlusses begehen. Erneut scheuten die Veranstalter weder Kosten noch Mühen, um ein schönes Fest zu organisieren. Krönender Höhepunkt und Abschluss der Feierlichkeiten war ein Brillant-Feuerwerk.
Für den Bezirksverband Frankenwald-Obermain veranstalteten die Stadtsteinacher 1979 eine Standartenweihe. Zu dem Ereignis kamen sogar Abordnungen aus Flandern und Tirol. Die Stadtsteinacher stellten mit einem tollen Programm einmal mehr ihre Fähigkeiten als hervorragende Ausrichter solcher Großveranstaltungen unter Beweis.
Ab 1981 führt man den Namen Soldatenkameradschaft von 1875. Unter dem verdienten Vorsitzenden Josef Hildner wuchs der Verein auf 200 Mitglieder an.
Ein bedeutendes Fest fand im Jahre 1990 statt: Die Soldatenkameradschaft feierte am 16. und 17. Juni ihr 115-jähriges Bestehen. Hauptpunkt des Programmes war die Weihe der neuen Fahne. Den Verantwortlichen um Kreis- und Ortsvorsitzenden Josef Hildner gelang es erneut, ihren hervorragenden Ruf der Stadtsteinacher als erstklassige Gastgeber zu untermauern.
Ab 1991 übernahm Robert Dütsch die Amtsgeschäfte als 1. Vorsitzender. Unter seiner ausgleichenden und wohlüberlegten Führung gedieh der Verein weiterhin prächtig. Vom 28. bis 30. August 1992 feierte die Stadt Stadtsteinach das fünfjährige Bestehen der Patenschaft für die fünfte (später sechste) Kompanie des Panzergrenadierbataillons 102 Bayreuth. Mitglieder der Soldatenkameradschaft Stadtsteinach hatten sich maßgeblich um das Zustandekommen dieser Verbindung verdient gemacht und sie intensiv mit Leben erfüllt. So wurden Gelöbnisse in Stadtsteinach ebenso abgehalten wie Besuche und Veranstaltungen in der Kaserne sowie am Standort-Schießplatz Oschenberg. Die Patenschaft fiel der Umstrukturierung der Bundeswehr zum Opfer, die Einheit wurde aufgelöst.

Das Neue Jahrtausend

Im Jahre 2000 wurde das 125-jährige mit einem großen Fest auf dem extra von der Soldatenkameradschaft errichteten Festplatz beim Freibad durchgeführt. Es gab ein sehr großes Gelöbnis auf dem Sportplatz mit über 700 Soldaten.
2005 feierten wir mit einem großen Ehrungsabend unser 130-Jähriges Bestehen.
2006 wurde mit einer Abordnung an der 50 Jahrfeier der BKV in Altötting teilgenommen.
Auch 2015 haben wir einen Ehrungsnachmittag im Schützenhaus durchgeführt und viele verdiente Kameraden geehrt.
2019 gab Robert Dütsch das Amt des 1. Vorsitzenden nach 18 Jahren erfolgreicher Vereinsführung ab. Er hatte seit der Gründung des Vereins dieses Amt als 1. Vorsitzender am längsten geführt und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seine Nachfolge trat André Dütsch an.
Es folgten von 2020 bis 2023 die Jahre der Corona-Pandemie, in denen das Vereinsleben stark in Mitleidenschaft gezogen wurde und zahzu zum Erliegen kam.
2025 wurde das 150-Jährige Bestehen auf dem Areal der Schützengesellschaft Stadtsteinach gefeiert.